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Bänder- und Sehnenschäden beim Pferd

  • 15. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

In diesem Beitrag erfährst du, warum Sehnen- und Bandprobleme beim Pferd oft lange vorher entstehen, welche Rolle Kollagen, Biomechanik und Fütterung spielen und warum langsamer Aufbau so entscheidend ist.


Illustration der Sehnen- und Bandstrukturen beim Pferd unterhalb des Karpalgelenks mit Fokus auf Beugesehnen, Fesselträger und biomechanische Belastung im Bewegungsapparat des Pferdes.
Die Illustration dient der vereinfachten Erklärung und stellt keine anatomisch-medizinische Detaildarstellung dar.

Inhaltsübersicht


Warum Probleme an Beugesehnen und Fesselträger oft lange vorher entstehen


Probleme im Bereich der Beugesehnen, des Fesselträgers oder der tiefen Strukturen unterhalb des Karpalgelenks nehmen gefühlt immer mehr zu. Viele Pferde zeigen plötzlich Sehnenentzündungen, Fesselträgerschäden oder Überlastungsreaktionen – sowohl Sportpferde als auch Freizeitpferde.


Doch solche Schäden entstehen selten „einfach so“.


Oft entwickelt sich über Monate oder Jahre eine Überlastung im System, bis der Körper irgendwann nicht mehr kompensieren kann. Genau deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie die Biomechanik des Pferdes, die Belastung der Strukturen und die Versorgung des Gewebes zusammenhängen.


Denn Sehnen und Bänder bestehen nicht einfach nur aus „festem Material“. Sie sind lebendiges Gewebe, das sich laufend an Belastung anpassen muss.

Warum der Bereich unterhalb des Karpalgelenks so anfällig ist

Unterhalb des Karpalgelenks verlaufen wichtige Strukturen wie:

  • oberflächliche Beugesehne

  • tiefe Beugesehne

  • Fesselträger

  • Unterstützungsbänder

  • Fesselgelenksstrukturen


Diese Bereiche müssen bei jedem Schritt enorme Kräfte aufnehmen.

Besonders bei Pferden mit großen Bewegungen, viel Schub oder hoher Geschwindigkeit wirken starke Zug- und Stoßkräfte auf das Gewebe. Genau deshalb reicht es nicht aus, wenn nur die Muskulatur „fit aussieht“.

Denn Sehnen und Bänder passen sich deutlich langsamer an Belastung an als Muskeln.

Warum Kollagenfasern so wichtig sind

Sehnen und Bänder bestehen zum Großteil aus Kollagenfasern.


Diese Kollagenfasern sorgen dafür, dass das Gewebe:

  • belastbar bleibt

  • elastisch bleibt

  • Zugkräfte aufnehmen kann

  • trotzdem stabil bleibt


Das Problem dabei:

Kollagenstrukturen brauchen Zeit, um sich aufzubauen und sich an Belastung anzupassen.

Wird ein Pferd zu schnell trainiert oder zu früh stark belastet, können Muskeln oft schon Leistung bringen, während Sehnen und Bänder strukturell noch nicht bereit dafür sind.

Genau dadurch entstehen häufig Mikroverletzungen und Überlastungen.


—> Mehr über die Bedeutung von Kollagen und warum es für Sehnen, Bänder und Gelenke so wichtig ist, findest du auch im Beitrag über Kollagen beim Pferd.

Jungpferde: äußerlich groß bedeutet nicht innerlich fertig

Gerade beim Anreiten junger Pferde wird häufig unterschätzt, wie lange der Körper eigentlich noch in Entwicklung ist.


Viele Jungpferde haben heute enorme Raumgriffe und viel Bewegungspotenzial. Dadurch wirken sie oft früh kräftig und belastbar. Doch Knochen, Sehnen und Gelenkstrukturen entwickeln sich langsamer.

Besonders wichtig sind dabei die sogenannten Epiphysenfugen – also Wachstumsfugen der Knochen.

Diese müssen sich erst vollständig schließen und verknöchern, bevor der Bewegungsapparat dauerhaft größere Belastungen sauber tragen kann.


Warum das wichtig ist:

Wenn Knochen, Sehnen, Bänder und Muskulatur nicht gleichmäßig reifen, entsteht ein Ungleichgewicht im Körper.


Die Folge:

  • zu viel Zug auf Sehnenstrukturen

  • fehlende Stabilität

  • Überlastung einzelner Bereiche

Der Körper versucht zwar lange zu kompensieren, doch irgendwann entstehen Schäden.

Warum schnelle Leistung oft zum Problem wird

Gerade im Sport wird häufig versucht, Pferde möglichst schnell leistungsfähig zu machen.

Mehr Energie bedeutet aber nicht automatisch mehr Stabilität.


Viele Pferde bekommen:

  • energiereiches Futter

  • Leistungsbooster

  • schnelle Trainingssteigerungen


Doch wenn die eigentlichen Aufbau- und Strukturbausteine fehlen, entsteht ein Problem.

Denn der Körper braucht nicht nur „Power“, sondern Material zum Aufbau.


Dazu gehören unter anderem:

  • hochwertige Aminosäuren

  • kollagenrelevante Bausteine

  • Mineralstoffe

  • Spurenelemente

  • gutes Grundfutter wie hochwertiges Heu


Warum das wichtig ist:

Sehnen- und Bandgewebe werden schlecht durchblutet und regenerieren langsam. Fehlen wichtige Baustoffe oder wird der Körper dauerhaft überfordert, kann die Qualität des Gewebes leiden.

Biomechanik: Warum „einfach nur laufen“ nicht reicht

Auch Freizeitpferde sind nicht automatisch geschützt.

Viele Pferde gehen zwar regelmäßig ins Gelände oder werden geritten, laufen dabei aber dauerhaft auf der Vorhand – oft am langen Zügel und ohne aktive Tragkraft.

(natürlich sind Sportpferde davon nicht ausgenommen und es gilt in beiden Fällen immer den gesamte Trainingsaspekt zu betrachten)


Das Problem:

Die Belastung verteilt sich dadurch nicht gleichmäßig über den Körper.


Es entsteht:

  • mehr Druck auf die Vorhand

  • höhere Belastung auf Sehnen und Fesselträger

  • weniger aktive Hinterhand

  • weniger Stabilität im Rumpf


Genau deshalb sind Dinge wie:

  • Seitengänge

  • Übergänge

  • Tempowechsel

  • kontrollierte Gymnastizierung

    so wichtig.


Denn das Pferd lernt dadurch:

  • Last besser zu verteilen

  • Muskulatur gezielter einzusetzen

  • koordinierter zu arbeiten

Und genau das schützt langfristig auch Sehnen und Bänder.

Warum Probleme oft erst spät sichtbar werden

Viele Pferde kompensieren lange.


Oft zeigen sie vorher nur kleine Veränderungen:

  • verkürzte Schritte

  • Stolpern

  • Steifheit

  • schlechtere Losgelassenheit

  • Probleme beim Biegen

  • Taktunreinheiten

Doch wenn Belastung, Regeneration und Strukturqualität über längere Zeit nicht zusammenpassen, macht es irgendwann „bumm“.


Dann entstehen:

  • Sehnenentzündungen

  • Fesselträgerschäden

  • Überlastungen

  • Hufrollenprobleme

  • chronische Veränderungen

Was langfristig wirklich wichtig ist

Wer Sehnen und Bänder langfristig gesund erhalten möchte, sollte nicht nur Symptome behandeln, sondern das gesamte System betrachten.


Dazu gehören:

  • sinnvolles Training

  • langsamer Aufbau

  • gute Grundfütterung

  • gezielte Strukturbausteine

  • Regeneration

  • biomechanisch korrektes Arbeiten

Denn stabile Sehnen & Bänder des Pferdes entstehen nicht durch Zufall.

Sie entstehen, wenn der Körper Zeit bekommt, sich funktionell aufzubauen.

Fazit

Probleme an Beugesehnen, Fesselträgern und den Strukturen unterhalb des Karpalgelenks entstehen meist nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über längere Zeit.


Gerade Jungpferde brauchen Zeit, damit Knochen, Sehnen, Bänder und Kollagenstrukturen gleichmäßig reifen können. Doch auch Freizeit- und Sportpferde geraten schnell in Überlastung, wenn Bewegung, Biomechanik und Versorgung nicht zusammenpassen.


Wer versteht, warum Kollagenfasern, Muskelaufbau, Koordination und Fütterung gemeinsam wirken, beginnt den Bewegungsapparat des Pferdes ganz anders zu betrachten.


Und genau darin liegt oft der Unterschied zwischen kurzfristigem Funktionieren und langfristiger Stabilität

Du möchtest dein Pferd gezielt im Bewegungsapparat unterstützen oder biomechanische Zusammenhänge besser verstehen? Hier geht‘s zu meiner Homepage:



Bitte beachte:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden, Lahmheiten, Schwellungen oder bestehenden Verletzungen sollte immer zuerst ein Tierarzt oder entsprechender Experte hinzugezogen werden.



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